Termine
| wöchentlich | Montag | 10:15 - 11:45 | 12.10.2026 - 29.01.2027 | C 1.209 Seminarraum |
Studienplankontext
schriftliches Vortragsskript (5-7 Seiten) (30%)
Wiederholungstermin: Zu dieser Prüfung wird kein Wiederholungstermin angeboten, da sie didaktisch untrennbar mit einer der zugeordneten Lehrveranstaltungen verbunden ist. Die Wiederholung der Prüfungsleistung ist somit erst bei erneutem Modulangebot möglich.
Organisatorisches
Anmeldung
Die Anmeldung beginnt erst am 02.10.2026 um 08:00 Uhr. Sie endet am 12.10.2026 um 23:59 Uhr
Diese Veranstaltung gehört zum Cluster »Komplementärstudium«.
In diesem Cluster ist während der Losphasen eine Wahlmöglichkeit zugelassen.
Und in der Entscheidungsphase 3 Wahlmöglichkeiten.
Personen
Inhaltliches
"In der Erzählkunst des Realismus", schrieb der Germanist Richard Brinkmann in seiner Studie "Wirklichkeit und Illusion. Studien über Gehalt und Grenzen des Begriffs 'Realismus' für die erzählende Dichtung des neunzehnten Jahrhunderts" (2. Aufl. 1966), sei "die Wirklichkeit erst recht eigentlich problematisch geworden".
Was für die Literatur im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gilt, trifft in veränderter Weise auch auf die Gegenwart zu. So ist die Frage nach der Erkennbarkeit und Erzählbarkeit von 'Wirklichkeit' heute erneut virulent, wie die Herausforderung unseres Wirklichkeitsverständnisses durch Phänomene wie Fake News oder Deepfakes, aber auch die Leugnung wissenschaftlich anerkannter Tatsachen im Namen 'alternativer Fakten' zeigt.
Um dieser Herausforderung zu begegnen, lohnt es sich, das eigene Verständnis von 'Wirklichkeit' einmal genauer zu untersuchen und in diesem Zusammenhang die Literatur des Realismus daraufhin zu befragen, wie sie mit den "Wirklichkeitskrisen" (Geppert 1994) ihrer Zeit umgegangen ist.
Drei Novellen aus der Epoche des "poetischen Realismus" (ca. 1850-1890) sollen im Seminar diskutiert werden. Sie kommen darin überein, dass sie 'Wirklichkeit' in unterschiedlicher Weise problematisieren: Während die Novelle "Das Amulett" (1873) von Conrad Ferdinand Meyer, perspektivisch gebrochen, von den Vorgängen der Bartholomäusnacht in Paris erzählt und damit nach der authentischen Darstellbarkeit historischer Wirklichkeit fragt, befasst sich die Kriminalerzählung "Unterm Birnbaum" (1885) von Theodor Fontane mit der Aufklärung bzw. Nicht-Aufklärbarkeit eines Verbrechens mittels Deutung von Indizien. Die Novelle "Der Schimmelreiter" (1888) von Theodor Storm schließlich führt der Leserschaft die Schwierigkeit einer Grenzziehung zwischen aufgeklärter Vernunft und Gespensterglauben vor Augen und stellt dadurch die Frage nach der Beschaffenheit und Erkennbarkeit von 'Wirklichkeit' zur Disposition.
Es empfiehlt sich, die drei genannten Texte seminarvorbereitend zu lesen; nähere Angaben zu den Textausgaben sowie Angaben zu geeigneter Forschungsliteratur finden Sie unter dem Reiter "Literatur".
Reflexion über den Begriff und das Problem 'Wirklichkeit' aus philosophisch-erkenntnistheoretischer und literaturwissenschaftlich-ästhetischer Perspektive,
Kennenlernen der Epoche des "poetischen Realismus" anhand dreier einschlägiger Novellen,
Erkundung des Zusammenhangs zwischen fiktionalem Erzählen und 'Wirklichkeit' in den ausgewählten Novellen,
Einübung in die Erzähltextanalyse
Evaluation
Weitere Informationen zur Lehrevaluation: https://www.leuphana.de/lehre/qualitaetsmanagement/evaluation/lehrveranstaltungsevaluation.html