Dates
| weekly | Wednesday | 14:15 - 15:45 | 06.04.2026 - 10.07.2026 | C 12.013 Seminarraum |
Curriculum context
Schriftliche Arbeit (80%)
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Registration ends 07.4.2026 at 23:59 h
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Content
Im Seminar nehmen wir den wichtigsten Autor der brasilianischen Literatur, Machado de Assis, zum Ausgangspunkt, um über Fragen von Kolonialismus und Rassismus nachzudenken, ebenso über das Verhältnis von Literatur und Theorie. Anhand der faszinierenden Literatur von Machado de Assis erarbeiten wir uns einen Zugang zur Geschichte und gesellschaftlichen Realität Brasiliens. Portugiesischkenntnisse sind willkommen, aber nicht erforderlich.
Joaquim Maria Machado de Assis (1839–1908) gilt als der einflussreichste Autor der brasilianischen Literatur. Als pardo – also als Person europäischer (portugiesischer) und afrikanischer Abstammung –, stotternd und aus bescheidenen Verhältnissen stammend, stieg er bereits zu Lebzeiten, noch vor der Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1888, zu einer zentralen Figur des intellektuellen Lebens Brasiliens auf. In seinen Romanen, Erzählungen und crônicas zeichnet er auf subtile Weise die Abgründe, die Widersprüche und die strukturelle Gewalt einer rückständigen und abhängigen Sklavenhaltergesellschaft nach.
Roberto Schwarz, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Theoretiker Brasiliens, zeigt in seinem Buch Ein Meister an der Peripherie des Kapitalismus und in Essays wie »Deplatzierte Ideen«, wie Machado de Assis’ Romane die komplexen Abhängigkeitsverhältnisse zwischen der (lateinamerikanischen) Peripherie und den (europäischen) Zentren sowie die daraus resultierenden Machtstrukturen einer ›unterentwickelten‹ Gesellschaft thematisieren – nicht nur vordergründig auf der Ebene des Plots oder der Figuren, sondern insbesondere auf der Ebene der Form und der Erzählstruktur. Machado de Assis' Texte und Schwarz' Interpretationen führen uns Abhängigkeits- und Machtverhältnisse vor Augen – den zugleich rückständigen und enthemmten Kapitalismus, die patriarchalen Strukturen, den ›deplatzierten‹ Elitismus und den verdeckten Rassismus – die das gesellschaftliche Leben Brasiliens bis heute prägen (und die sich möglicherweise auch in anderen peripheren Regionen wiederfinden lassen).
Im Seminar lesen und diskutieren wir klassische Texte von Machado de Assis wie Die postumen Memoiren des Brás Cubas, Quincas Borba oder Der Irrenarzt. Ausgehend von den Lektüren von Roberto Schwarz und anderen kritischen Interpreten dieser Texte werfen wir die Fragen auf, inwiefern Literatur einen privilegierten Zugang zu gesellschaftlichen und kulturellen Problemen hat, inwiefern sie diese Probleme besser sichtbar machen kann als theoretische Texte, welche narrativen, literarischen Strategien sie verwendet und welches Verhältnis sie zur Theorie einnimmt – ist sie in erster Linie Inspiration, Veranschaulichung oder gar eine Überschreitung der Theorie?
Evaluation
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